Almaty

Do. 25.09.2014
In Almaty kämpfte ich mich durch die nicht all zu aufdringliche Taxifahrer-Meute und ging erst mal ins Internetcafe in der Fußgängerzone, um das Almaty Central Hostel ausfindig zu machen. Dort traf ich die schweizer Fahrrad-Reisenden Anna und Lukas an, die gerade ihre Fahrräder für die Flug-Weiterreise nach Nepal verpackten. Da die Chefin nicht da war, hinterließ ich ihr ein paar russische Wörter sowie mein schweres Gepäck und schaute mit Anna und Lukas den Südteil der Innenstadt an.

Text
Unabhängigkeitsdenkmal am Platz der Republik

Zudem besorgten wir uns Ballett-Karten für den nächsten Abend. In der sehr westlichen Stadt gönnten wir uns einen Salat und ein teures Bier beim Italiener. Beim Zubereiten unseres leckeren Abendessens konnte ich mich ein weiteres Mal nach Samarkand als Praktikant in der Küche beweisen. So hatten wir einen schönen gemeinsamen Abend und schauten Poetry Slam über Youtube.

Mit Anna und Lukas beim Abendessen
Mit Anna und Lukas beim Abendessen

Fr. 26.09.2014
Zum Frühstück gab’s direkt leckere selbst gemachte Pfannkuchen. Als wir satt waren, gab Raikhan, so hieß die Chefin, uns noch russische Pfannkuchen (Bliny), die wir natürlich essen mussten. Der zweite Teil unserer Stadttour führte uns über das Kriegsdenkmal und die Christi-Himmelfahrt-Kathedrale im Park der 28 Panfilowzy bis zum Grünen Basar.

Christi-Himmelfahrt-Kathedrale
Christi-Himmelfahrt-Kathedrale

Von dort ging ich alleine zum Kok-Tobe (wörtlich: Grüner Hügel), von dem man über die Stadt und die hohen Berge blicken konnte.

Blick auf Almaty am Rande der Berge
Blick auf Almaty am Rande der Berge
Mehrere Jahreszeiten auf einem Bild
Mehrere Jahreszeiten auf einem Bild

Auf dem Weg zum Ballett im Abay Opern- und Balletthaus trafen Anna, Lukas und ich uns wieder und wir schauten zusammen Silfida (Original: La Sylphide) an. Beinahe wären wir mit unseren Schuhen nicht reingekommen und ein wenig verratzt kam ich mir schon vor unter all den schick angezogenen Menschen in dem prachtvollen Opernhaus.

Im Abay Opern- und Balletthaus
Im Abay Opern- und Balletthaus

Das Ballett war okay, aber es gab für den Protagonisten James kein glückliches Ende. Danach saßen wir in der Küche im Hostel zusammen und hörten R.E.M. und schweizer Musik.

Sa. 27.09.2014
Mit einem Bild auf dem mit dem Fahrrad bezwungenen Ak-Baital-Pass (4655m) in Tadschikistan toppten Anna und Lukas Ralfs Familienbild im Büchlein.

Ein weitees Highlight im Büchlein
Ein weiteres Highlight kommt ins Büchlein

Für mich ging’s im Bus Richtung Skigebiet Shymbulak, in dem mich eine Frau fragte, ob ich Alpinist wäre. Sie (Tatjana, kurz: Dascha) ist in einem solchen Verein und sie feierten an diesem Wochenende ihr 40-jähriges Bestehen, wofür sie ältere Fotos dabei hatte, die sie mir alle zeigte. Als Kind kam sie aus Russland hierher und meinte, Russen reden einfach gern. Bei der Talstation der Seilbahn war ein Open-Air-Winter-Eislaufstadion. Mit der ersten Gondel erreichte ich die touristischen Restaurants und mit zwei weiteren Gondeln kam ich an die Schneegrenze auf 3180m Höhe mit einer schönen Sicht rundum.

Blick über die Berge Richtung Almaty
Blick über die Berge Richtung Almaty
Blick auf die Berge Richtung Kirgisistan
Blick auf die Berge Richtung Kirgisistan

Eine Chinesin namens Wang Ping bat mich, ein Foto von ihr zu machen. So fotografierten wir uns gegenseitig und gingen ein paar Schritte zusammen am Schneerand.

Verschneite Berge im Skigebiet Shymbulak
Verschneite Berge im Skigebiet Shymbulak
Im Schnee
Im Schnee auf 3180m Höhe

Trotz Schnee hatten wir T-Shirt-Wetter und ich legte mich noch ein wenig an den Hang in die gelbe Wiese, bevor sich langsam der Wetterumschwung ankündigte. Vor dem nächtlichen Regen war ich wieder im Hostel, wo ich Anna und Lukas wieder antraf und später an meinem Blog weiterschrieb.

So. 28.09.2014
Nach dem gemütlichen Frühstück brachte das Taxi Anna und Lukas mit Sack und Pack zum Flughafen und ich gönnte mir einen ruhigen Tag. Auf dem Grünen Basar kaufte ich Karotten, Chilisoße und endlich eine Hülle für mein Tablet.

Pferdefleischtheke beim Grünen Basar
Pferdefleischtheke beim Grünen Basar

Bei der Christi-Himmelfahrt-Kathedrale spielte das Glockenspiel, die jüngeren Einheimischen fuhren auf dem Vorplatz auf ihren Inline-Skates und die älteren spielten Schach in einem dafür eingerichteten Häuschen.

Einheimische beim Schachspiel
Einheimische beim Schachspiel

Während ich im Internetcafe weitere Bilder hochlud, begann sich mein Nebenmann für mich zu interessieren, fand es ganz toll, dass ich so eine Reise mache, öffnete meinen Blog und ließ ihn an seinem Computer ins Russische übersetzen. Er wollte mir seinen einzigen Apfel schenken, stellte sich mit Namen (Iwan) vor und ließ mich nach Ablauf meiner Zeit an seinen Rechner, damit ich zum vereinbarten Zeitpunkt mit meinen Eltern skypen konnte, was leider nicht funktionierte. Es stellte sich heraus, dass er im Internetcafe arbeitet, eine sehr angenehme Begegnung. Nach dem Telefonat im Hostel zeigte ich Jessica aus Japan meinen Blog und wir saßen mit Waleri aus Russland zusammen.

Mo. 29.09.2014
Beim Frühstück gab’s bei laufender Waschmaschine mit meiner Wäsche und angestelltem Wasserkocher einen ordentlichen Stromausfall, der nicht mit dem einfachen Umlegen einer Sicherung zu beheben war. Raikhan reparierte den Schaden dennoch letztlich selbst und konnte den Elektriker wieder abtelefonieren. Ich ging nach langem mal wieder in eine Pizzeria und anschließend in den Stadtpark, der zusätzlich auch ein Rummelplatz mit einem Riesenrad und einem See zum Treetboot fahren ist. Im Hostel zeigte Raikhan mir stolz einen Zeitungsbericht über ihr Hostel in der Deutschen Allgemeinen Zeitung Almaty.

Der Zeitungsbericht
Der Zeitungsbericht

So erfuhr auch ich mehr darüber, wie dieses Hostel entstanden ist. Zum Rentenbeginn im Januar funktionierte Raikhan ihre Drei-Zimmer-Wohnung auf Vorschlag ihrer Töchter zu einem Hostel um. Auch erfuhr ich dadurch mehr über sie und so unterhielten wir uns am Abend auch über Privates.

Di. 30.09.2014
Am Morgen bekam ein junger kasachischer Hostelgast Besuch von einer Bekannten, Asam. Sie wohnt in Almaty und hilft ihm eine Arbeit zu finden. Er hat ein Hochschuldiplom und ist 2000 km weit gefahren. Asam fuhr mich zum Sayran-Busbahnhof und organisierte für mich eine günstige Fahrt im Minibus nach Bischkek. Dort kam ich ein wenig mit zwei kirgisischen Mitfahrern ins Gespräch. Über die Grenze gingen wir einzeln zu Fuß. Bei der Ausreise aus Kasachstan wurde ich darauf hingewiesen, dass die Visumpflicht für Deutsche in Kasachstan seit Mitte Juli aufgehoben ist. Mein Aufkleber vom Juni war also einer der letzten für kurze Aufenthalte von Touristen aus den zehn größten Investornationen.

Saryschagan

Di. 23.09.2014
Ohne zu wissen, ob der Balchaschsee in Saryshagan zugänglich ist und ob es dort eine Unterkunft gibt, stieg ich am dortigen Bahnhof aus, wo mir sofort angeboten wurde, mich die 150 km nach Balchasch, zum größten Ort am See, zu fahren. Der Preis war inakzeptabel und ich beschloss, mit dem gesamten Gepäck erst mal hier an den See zu gelangen. Ich ging durch ein Privatgrundstück, in dem drei Männer gerade eine Fläche betonierten, vor der sie mich warnten, aber freundlich das Törchen zur nächsten Straße öffneten. Ohne weitere Hindernisse gelangte ich ans Ortsende, zu einem muslimischen Friedhof und zum See. Zunächst war ich an einer Bucht und später am gefühlten offenen Meer mit Wellengang, ja so riesig ist dieser See inmitten der trockenen kasachischen Steppe.

Ufer des Balchaschsees
Ufer des Balchaschsees

Hört sich alles sehr romantisch an, ist es auch, aber man muss sich den Müll wegdenken, der auf dem Land in weitem Umkreis ums Ufer rumliegt: Bier- und Wodkaflaschen (meist in kleinsten Scherben), Plastikflaschen und Plastiktüten, zuweilen trifft man auch Kinderspielzeug, Blechdosen oder Autoreifen an. Mir gefiel es dennoch im touristenleeren Saryschagan. Prompt sprach mich ein gleichaltriger Mann an und fragte auch noch, ob ich Hilfe brauche. So brachte mich letztlich ein Freund zu einer Unterkunft in der Nähe des Bahnhofs. Die Damen dort waren skeptisch, aber mit meinem bisschen Russisch war das kein Problem und ich hatte ein Bett für 4,25 Euro. Mich zog es nochmal durch den Ort und an den See bei abendlichem Licht.

Typische Häuser in Saryschagan
Typische Häuser in Saryschagan
Die Steppe und der Balchaschsee am Abend
Die Steppe und der Balchaschsee am Abend

Es waren am Abend viele Kinder und Jugendliche beim Ballspielen draußen. In einer Bar schloss ich den Tag mit einem frisch gezapften halben Liter Bier für 75 Cent ab. In der Unterkunft bekam ich einen kasachischen Zimmergenossen, der wegen der Arbeit hier war.

Mi. 24.09.2014
Mein Nachtzug fuhr erst bei Dunkelheit, also nutzte ich den sonnigen Tag. Hinter dem Ortsende gab es bei einer Raststätte ein günstiges Essen und ich näherte mich von Norden dem Balschachsee. In der Steppe weideten viele Schafe und es war auch ein Kamel zu sehen. Beim See landete ich letztlich auf einer Halbinsel, auf der drei junge Kuhbullen weideten und einige Männer in aller Gemütsruhe in windgeschützten Ecken angelten.

Jungvieh auf der Halbinsel
Jungvieh auf der Halbinsel
Einer der Angler auf der Halbinsel
Einer der Angler auf der Halbinsel

Ich setzte mich selbst ans Ufer und las in meinem Tschingis-Aitmatow-Buch die Geschichte über den Tienshan-Lastwagenfahrer Ilijas, während die Seewellen rauschten.

Am Abend am Balchaschsee
Am Abend am Balchaschsee

Bei Abendlicht ging ich über die Steppe, auf der noch Schafe weideten, zum Ort zurück. Ein Hirte holte seine Schafe gerade heim, während andere Schafe noch draußen waren.

Schafherde nahe des Sees
Schafherde nahe des Sees

Als ich diese fotografierte, bemerkte ich im Gegenlicht die zwei zugehörigen Hirten zunächst gar nicht und stand plötzlich vor ihnen. So unterhielt ich mich mit dem jüngeren der beiden, der wissen wollte, wie viel ich im Monat verdiene und wie viel ich für die Weltreise gespart habe. Er selbst war zu Sowjet-Zeiten zwei Jahre beim Militär in Ungarn.

Die zwei Schafhirten
Die zwei Schafhirten

Im Ort waren die Jugendlichen wieder sportlich unterwegs, die größten spielten Fußball auf einem großen Platz. Da waren auch zwei Kamele einfach so mitten im Ort und grasten am Wegrand.

Eines der Kamele im Ort
Eines der Kamele im Ort

Mittlerweile war ich im kleinen Supermarkt schon als der deutsche Tourist bekannt, bei einem 4500-Seelen-Nest nicht verwunderlich. Mein Bett in der Unterkunft war noch nicht neu bezogen, damit ich mich bis zu meiner Abreise hätte ausruhen können, sehr zuvorkommend. Dann ging’s rein ins Vierer-Abteil des Nachtzugs mit einer herrischen älteren Dame und zwei jungen Männern.

Shymkent

So. 21.09.2014
Auf kasachischer Seite ging die Einreise ganz schnell und plötzlich stand ich inmitten einer Menschenmenge, wovon jeder etwas anderes von mir wollte. Ich wurde bequatscht und gegriffen, mir wurden kasachische Tenge zum Wechseln hingehalten und jedes erdenkliche Ziel zur Weiterfahrt genannt. Tatsächlich handelte ich mit einem privaten Minibusfahrer einen akzeptablen Preis für die Fahrt nach Shymkent aus und wechselte meine wenig übrigen Sum-Scheinchen zu kasachischen Tenge. Der Fahrer freute sich, dass er einen deutschen Mitfahrer hatte und redete etwas mit mir. In Shymkent durfte ich als armer Rucksackreisender etwas günstiger im Hotel Sapar übernachten. Nachdem ich beschlossen hatte, auch ohne Reiseführer-Informationen an den Balschachsee zu fahren, besorgte ich am Bahnhof die Tickets zum See und vom See nach Almaty. Zwei Männer waren mir beim Fahrkartenkauf „behilflich“, kassierten dafür eine ordentliche Provision auf meine Kosten. Als ich das merkte, war es zu spät und ich musste lächelnd diese Niederlage anerkennen, denn es wäre für mich kein Problem gewesen, diese Tickets eigenständig auf russisch zu kaufen. Nach 17 Tagen in Usbekistan merkte ich den deutlichen Unterschied zwischen den zwei Ländern: Hier sah ich nach langem wieder ein Paar, das sich in der Öffentlichkeit küsste, die Frauen waren westlich angezogen und es gab mehr Kneipen und Cafes, in denen sich auch Einheimische aufhielten.

Gelände Ken Baba
Gelände Ken Baba Ortalygy

Im Gelände Ken Baba Ortalygy gönnte ich mir draußen Plow (usbekisches Nationalgericht: Reis mit Gemüse gemischt und Fleisch obendrauf) und Bier, während ein Sänger zu Hintergrundmusik russischsprachige Schnulzen sang. Hier tanzte ein Paar mittleren Alters dazu. Die Bedienung arbeitete sehr gemächlich, sie konnte es gut aushalten, dass kein Tisch abgeräumt war. Auch mein Wechselgeld bekam ich erst auf Nachfrage. Dennoch war der Service nicht viel schlechter als in Deutschland, weil dort eine Bedienung das Vierfache an Personen bedienen muss.

Im Hotel bemerkte ich, dass die Dame im Taschkenter Gästehaus mir zusätzlich ein paar falsche T-Shirts gewaschen und eingepackt hatte, zu spät. Nun war ich unter Anderem im Besitz eines Usbekistan/Seidenstraßen-Souvenir-T-Shirts. Beim von Nico mir genau gezeigten Amt holte ich die Registrierung für meinen zweiten Kasachstan-Aufenthalt: Ich gab meinen Pass und die Hotelbestätigung ab und drei Stunden später konnte ich die paar geschriebenen Zeilen und den Stempel abholen. Die Zeit vertrieb ich mir im Stadtpark und bei den wenigen Sehenswürdigkeiten.

Blick über Shymkent
Blick auf das Unabhängigkeitsdenkmal

Mo. 22.09.2014
Vor der Weiterreise ging ich noch in den Vergnügungspark Kiyal Alemi mit einer Kartbahn, Snack- und Süßigkeitenbuden, Fahrgeschäften für Jung und Alt und einer bei der Shymkenter Jugend besonders beliebten überdachten Disco-Rollschuhfläche. Dann ging es in den Nachtzug nach Saryshagan am Balchaschsee, dessen Schaffner sich besonders für mich interessierte und sich kurz mit mir unterhielt. Um mich auf die kasachische Steppe und die kirgisischen Berge vorzubereiten, las ich aus meinem Tschingis-Aitmatow-Buch Dschamilja zu Ende, eine sehr schöne Geschichte. In Taraz stieg eine 43-Jährige, bereits Großmutter, in mein Abteil zu. Auch ihr beantwortete ich die üblichen Fragen und sie zeigte mir Fotos von ihrer Familie auf dem Handy. Selbstverständlich tranken wir einen Tee dazu und ich vermachte ihr am nächsten Morgen, als sie noch schlief, zwei meiner Teebeutel.

Taschkent (3)

Sa. 20.09.2014
Hier bekam ich im Internetcafe die VfB-Heimniederlage und Paderborns 80-Meter-Tor zur Tabellenführung mit. Um noch Bier zum Fassanstich beim Oktoberfest zu bekommen (Aufgabe von Markus S.), musste ich im Schaschlik-Schnellrestaurant, bei dem ich zuvor gegessen hatte, nach dessen Schließung fragen. Die freundliche Bedienung holte den Chef und dieser schloss das Lager nochmal auf um mir zwei Bier zu verkaufen. Dabei verkniff er seine Bemerkung nicht und machte die bekannte Handbewegung zum Alkohol trinken (zwei Finger an den Hals). Doch im nächsten Moment nannte er mich Prachtkerl (Molodjets), weil ich ein wenig russisch sprach. Im Gästehaus teilte ich das Bier mit Einar aus Trondheim, der als einziger noch im Innenhof saß.

So. 21.09.2014
Vor meiner Weiterreise gab mir der in Almaty wohnende Engländer Peter ein paar Tipps zu kasachischen Zügen und ich verschwand mit dem Taxi zur Grenze. Ich machte mich auf eine mehrstündige Prozedur gefasst, weil es laut Reiseführer viele Usbeken gibt, die nach Kasachstan gehen um eine Arbeit zu suchen. An diesem Sonntag war wenig los und nur die Usbeken ärgerten mich mit einer unkoordinierten Warteschlange und ihrem unsäglichen Zollerklärungs-Formular. Ich gab die 100 kasachischen Tenge, die Marei mir schenkte, ehrlich an, woraufhin ich das ganze Formular nochmal ohne Angabe der zusätzlichen 100 Tenge ausfüllen musste. Beim nächsten Schalter gab’s den usbekischen Stempel und ich war aus Usbekistan ausgereist.

Chimgan

Do. 18.09.2014
Im Wintersportdorf Chimgan angekommen stellte sich heraus, dass die Lonely-Planet-Unterkunft geschlossen war, und der Taxifahrer wollte mich hier in der Einöde ohne Unterkunft fast nicht alleine lassen. Vom gegenüber liegenden kleinen Restaurant kam ein Mann, der mich auf das Asia Hotel hinwies, wo ich die dort arbeitenden Männer einzeln antraf. Als ich dann beim Chef war und zusagte, machten alle eine Nachmittagspause und auch ich wurde mit einer Suppe, Brot, Tee und Wassermelonen versorgt. Inmitten der Berge ging ich spazieren und im Minimarkt des Dorfes erzählte mir der Verkäufer, dass die Großmutter seiner Frau aus Deutschland ist. Außerdem wollte er wissen, wo ich übernachte, denn auch er hätte noch ein Angebot gehabt, wie ich auf den gezeigten Fotos sehen konnte. Am Abend ging die Sonne wunderschön in einem Tal unter.

Sonnenuntergang in Chimgan
Sonnenuntergang in Chimgan

Im Hotel wurde ich gefragt, ob ich ein Abendessen wollte. Da ich dies ablehnte, klopfte später der Chef an meiner Tür und schenkte mir fünf Apfel von den eigenen Bäumen. Ich wurde sehr freundlich umsorgt, war aber auch der einzige Gast in diesem großen für den Winter ausgelegten Hotel.

Fr. 19.09.2014
Als sich die letzten Wolken langsam verzogen, startete ich meine Wanderung auf den nächstgelegenen hohen Berg nahe des felsigen Bolschoi Chimgan. Es zeichnete sich nach und nach eine großartige Sicht in alle Richtungen ab. Den Chorvok-Stausee konnte man ebenfalls schon früh erkennen.

Der Chorvok-Stausee
Der Chorvok-Stausee

Überraschenderweise gab es größtenteils Wege, die mir den Aufstieg vereinfachten. Oben ging ich auf dem Grat zunächst noch ein wenig weiter, begnügte mich dann bei einer langen Pause mit dem wundervollen Rundumblick.

Blick über Chimgan
Blick über Chimgan
Blick Richtung Flachland
Blick Richtung Flachland

Beim Abstieg war ich motiviert, am Ende beim kleinen Restaurant rauszukommen, weswegen ich ab der Hälfte einen steileren Weg zurück nahm. Zum Sonnenuntergang war ich wieder in der Nähe des Hotels und sah noch, wie ein Bauer auf einem Pferd sitzend seine Rinder entlang der Straße zusammentrieb.

Rinder auf der Straße
Rinder auf der Straße

Am Hotel erzählte ich stolz, dass ich auf dem Berg oben war.

Sa. 20.09.2014
Der Chef, eigentlich schon Rentner, nahm sich Zeit um sich mit mir nach dem Frühstück zu unterhalten. Bei strahlendem Sonnenschein stieg ich auf den anliegenden Hügel und hatte nochmal eine wunderbare Sicht auf die Berge und den Chorvok-Stausee.

Nochmal vor Chimgan und dem Chorvok-Stausee
Nochmal vor Chimgan und dem Chorvok-Stausee

Vor dem Hotel wartete ich auf vorbeifahrende Autos, um Richtung Taschkent mitgenommen zu werden. Ein etwa gleichaltriger Mann hielt an und lud mich in seine Sowjet-Karre. Wir unterhielten uns ein wenig und er sagte, er sei Juwelier. Als ich in Gazalkent ausstieg, wollte er kein Geld. Im Gegenteil: Er schenkte mir zudem eine Tüte gezuckerter Nüsse und eine Tüte Käsebällchen. Mir blieb nichts anderes als mich freundlich zu bedanken. Die zweite Etappe im Sammeltaxi nach Taschkent war sehr rasant. Der junge Fahrer überfuhr zwei rote Ampeln und überholte, wo er nur konnte. Vielleicht war er aufgrund eines weiblichen Fahrgastes besonders motiviert, alles aus seinem neuen Chevrolet rauszuholen. Ich kam am Ende gesund in Taschkent und zum dritten Mal im Gulnara Guesthouse vor meiner Weiterreise nach Kasachstan an.

Taschkent (2) / Sukok

Mo. 15.09.2014
Am nächsten Tag nahm ich wegen Zeitmangel ein Taxi zum Bahnhof und war erleichtert, nach Zug- und U-Bahn-Fahrt am Ende wieder im Gulnara Guesthouse in Taschkent zu sein. Am Abend spielten im dortigen Innenhof zwei Männer für eine französische Reisegruppe traditionelle Musik und eine Frau tanzte in regionaler Tracht dazu.

Traditionelle Musik und Tanz
Traditionelle Musik und Tanz

Di. 16.09.2014
Nach dem vielen Touri-Programm und den anstrengenden Reisen gönnte ich mir einen ruhigen Tag, gab meine Wäsche im Gästehaus zum Waschen, tauschte Geld, kaufte einen Sweater aus 100% usbekischer Baumwolle und ging europäisch (russisch) essen. Im Internetcafe sorgte ich geduldig in einer fast dreistündigen Prozedur dafür, dass über 35 Usbekistan-Fotos in diesem Blog erscheinen.

Mi. 17.09.2014
Vor meinem Tagesausflug wollte ich im Telefonbüro meine nächste Unterkunft reservieren. Dort halfen mir am Ende alle vier angestellten Damen, um die veraltete Nummer des Lonely Planet zu berichtigen. Das Telefonat endete erfolglos, weil ich kein rein russisches Telefonat führen konnte. Dank Shavkats Tipps kam ich schnell und günstig über Yangibozor und Parkent in die Berge östlich von Taschkent. Im Dorf Sukok, das in einem so schmalen Tal liegt, dass die Häuser am Hang stehen, war ich der einzige Tourist.

Blick vom Dorf Sukok ins Tal
Blick vom Dorf Sukok ins Tal

Arg hoch kam ich nicht auf die dortigen Berge, weil es keine Wege gab und das Geröll zu gefährlich aussah. So machte ich an einer Wasserstelle im Dorf meine Vesperpause, wo ein paar Kinder spielten. Ein Junge war mit zwei Eseln unterwegs und fütterte sie mit Heu.

Kinder in Sukok
Kinder in Sukok

Vier Männer, die an einer Häuserwand im Schatten saßen, unterhielten sich ein wenig mit mir. Ein anderer sprach mich auf die Landschaft an und fotografierte mich.

Vor den Bergen in Sukok
Vor den Bergen in Sukok

Auf dem Rückweg kaufte ich auf dem Basar in Parkent frisch geerntete rote Trauben aus den Weinbergen nahe Sukok. Im Gästehaus traf ich wider Erwarten nochmal Marei und Nico.

Do. 18.09.2014
Am nächsten Morgen vor meiner Weiterreise gab’s zudem ein überraschendes Wiedersehen mit James und Stu, die auf ein Ersatzteil für ihr Auto warten mussten.

Samarkand / Shakhrisabz

Fr. 12.09.2014
Auf dem Weg zum Bahodir B&B verlief ich mich zweimal, zudem machte ich trotz des schweren Gepäcks einen Schlenker zum von der Sonne beschienenen Registan, dem Ort schlechthin der ehemals blühenden Seidenstraße. Die perfekte Geometrie und die restaurierten Medresen sind absolut beeindruckend und bisher das Bild in Usbekistan, das sich mir am meisten einbrannte.

Registan
Registan

Marei und Nico kamen wenige Minuten nach mir in der Unterkunft an und so gingen wir zum riesigen Siyob-Basar und aßen lecker Laghman. Wie ausgemacht kam Shavkat bei uns vorbei und machte für uns eine tolle Führung von der Bibi-Chanum-Moschee über den Registan bis zum Gur-Emir-Mausoleum, in dem auch Amir Timur begraben liegt.

Mit Shavkat, Marei und Nico vor dem Registan
Mit Shavkat, Marei und Nico am Registan

Nach ein paar Stadtfotos bei Dämmerung trafen wir Flo und Alex aus der Schweiz, die mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sind. Mit Flo räumte ich das Regal mit den kühlen Bierflaschen im Minimarkt um die Ecke aus. Später suchten Marei, Nico, Alex und ich noch ein Restaurant, aber mehr als ein Schnellimbiss, der nur Fleischspieße anbot, gab es nicht mehr. Dort war auch ein Mann zu Gast, der einen Pfau dabei hatte. Mangels Toilette gingen wir unter lautem Vogelgezwitscher beim Registan zurück zur Unterkunft.

Sa. 13.09.2014
Bei meinem Tagesausflug nach Shakhrisabz waren die Begegnungen mit den Menschen und die Fahrt über die Berge die eigentlichen Highlights. Mit dem Taxifahrer Said handelte ich einen Preis für die Hin- und Rückfahrt aus. Bei der Hinfahrt wurde am Stadtrand massenweise Brot gekauft, wovon auch ein Sicherheitsbeamter bei einer der vielen stationären Kontrollen zwei Stück abbekam.

Berge zwischen Samarkand und Shakhrisabz
Berge zwischen Samarkand und Shakhrisabz

Auf russisch redeten wir ein wenig, ansonsten unterhielt Said die Damen auf der Rückbank und, obwohl ich nichts verstand, musste auch ich zwischendurch mitlachen. In Shakhrisabz landete ich wie angekündigt auf einer riesigen platt gewalzten, staubigen Baustelle. Dort fragten vier junge Mädchen, ob sie ein Foto mit mir machen dürfen und letztlich standen zwei von ihnen dazu und eine knipste mit ihrem Handy. Die größten Sehenswürdigkeiten von den Ruinen des Ak-Saray-Palastes bis zur Kok-Gumbaz-Moschee, von Timur bzw. seinem Enkel Ulugh Beg gebaut, sowie der Basar waren so leicht zu finden.

Vor der Ruine des Ak-Saray-Palastes
Vor der Ruine des Ak-Saray-Palastes in Shakhrisabz

Dort erstand ich noch Trockenfrüchte.

Der Basar in Shakhrisabz
Der Basar in Shakhrisabz

Für die Heimfahrt bot Said mir an, mich für einen Aufpreis direkt und alleine nach Samarkand zu fahren. Wir luden aber in Kitob eine Mutter mit zwei Kindern sowie einen Mann auf die Rückbank. Der Mann war sehr interessiert an mir und am Leben in Deutschland. Auch meinten er und Said, dass ich mir doch in Samarkand eine Frau suchen solle. Als ich daraufhin meinte, dass die Distanz ein Problem sei, brachen beide in herzhaftes Gelächter aus und gaben mir zu verstehen, dass genau das kein Problem sei. (Wahrscheinlich könnte ich in deren Augen mit einer Frau in Samarkand weit weg in Deutschland trotzdem Frauen haben, wie ich möchte.) Auf der Passhöhe hielt Said an und machte ein Foto von mir. Der Mann wurde in einem Dorf zu Fuße der Berge vor Samarkand ausgeladen und lud mich noch zu einem Tee ein, den ich nicht annehmen konnte, weil das Taxi weiterfuhr. Die Hackordnung beim Redeanteil in Gesprächen lautet Mann vor alt vor Frau vor Kind, darum kam erst jetzt die Mutter zu Wort, wobei Said sie größtenteils unterhielt. Obwohl es Samstag Abend war, mussten wir uns damit abfinden, dass es in Samarkand keine Abends-Ausgeh-Kultur und somit auch keine Party außerhalb für uns gab. So bereiteten im wesentlichen Marei und Niko ein leckeres Essen (Pasta und Zwetschgenknödel als Nachtisch) für sie, Flo, Alex, Sylvain und mich vor. Sylvain aus Frankreich ist Jongleur und (Lebens-)Künstler und seit vier Jahren mit dem Fahrrad unterwegs. Das Essen und der Abend war super, wir unterhielten uns angenehm und lachten viel, fast schon so wie mit den Freunden zuhause, die man seit Jahren kennt.

Ein schöner Abend mit Flo, Marei, Niko, Alex und Sylvain
Ein schöner Abend mit Flo, Marei, Niko, Alex und Sylvain

So. 14.09.2014
Nach deren Weiterreise und unserem Abschied schaute ich mir die wesentlichen Sehenswürdigkeiten Samarkands an. Die Totenstadt Schahi-Sinda, ein beeindruckender riesiger Hügel mit Gräbern und Mausoleen ab dem 9. Jahrhundert.

Grabhügel
Grabhügel

Das Ulugh-Beg-Observatorium, in dem Ulugh Beg schon vor den europäischen Astronomen Nikolaus Kopernikus und Tycho Brahe exakte Sternbeobachtungen machte und die Dauer eines Jahres bis auf 40 Sekunden zum jetzigen Wissen bestimmte.

Blick vom Ulugh-Beg-Observatorium zu seiner Statue, auch ein beliebtes Ziel fü Brautpaare
Blick vom Ulugh-Beg-Observatorium zu seiner Statue, auch ein beliebtes Ziel für Brautpaare

Das vermeintliche Grab des Propheten Daniel (Daniel in der Löwengrube), das Timur aus Persien hergebracht haben soll; höchstwahrscheinlich ist aber das wahre Grab in Susa (Iran). Auf dem Weg zurück begegneten mir zwei Frauen, wovon eine ein Foto mit mir haben mochte. So zückte auch ich meine Kamera.

Mit zwei usbekischen Frauen
Mit zwei usbekischen Frauen

Im B&B traf ich den schwäbischen Rentner Norbert, der mit seinem Hund Adonis und einem Laster unterwegs ist. Auch schaute ich mir die beeindruckend große Bibi-Chanum-Moschee von innen an.

Bibi-Chanum-Moschee von der Ferne
Riesige Bibi-Chanum-Moschee von der Ferne

Auf dem Weg zum Gur-Emir-Mausoleum begegnete ich Said am Zebrastreifen, der mir freundlich aus seinem Taxi zuwinkte. Amir Timurs Grab ist das auffälligste von den neun in einem mit den teuersten Materialien verzierten Raum unter einer großen Kuppel.

Prachtvolle Gestaltung der Kuppel um Amir Temurs Grab
Prachtvolle Gestaltung der Kuppel um Amir Temurs Grab

Abends ging ich mit Sam, einem weiteren französischen Fahrradreisenden, zum Essen und am beleuchteten Registan vorbei.

Vor den beleuchteten Medresen des Registan
Vor den beleuchteten Medresen des Registan

Später zeigte Norbert seine Fotos von den Bergen in Zentralasien.

Buchara

Di. 09.09.2014
Im Stadtzentrum angekommen wurde das grauhaarige französische Paar aus meinem Taxi abgeholt und als ich mich von den beiden verabschiedete, sah ich Katja und Volker und im nächsten Moment Marei und Nico wieder. Sie waren alle ebenfalls hier im Malikjon B&B House untergebracht und so handelte ich ein Bett für 10 Dollar im nur noch übrigen Zweibettzimmer für mich aus. Marei und Nico trafen sich mit Shavkat, einem usbekischen Touristenführer. Ich schloss mich ihnen an und wir lauschten seinen Erklärungen und Geschichten vor der schönsten Kulisse Bucharas.

Vor dem Kalon-Minarett
Vor dem Kalon-Minarett

Ich konnte mir richtig vorstellen, wie damals die Händler in den Karawansereien (ummauerten Herbergen auch für Kamele) unterkamen und die Jugendlichen in Medresen (Koranschulen) den Koran und andere Wissenschaften gelehrt bekamen. Medresen bestehen zumeist aus einem großen verzierten Portal, einer Moschee auf der einen Seite, einem Studiengebäude auf der anderen Seite sowie den Zimmern für die Jugendlichen. Bei Sonnenunter- und Mondaufgang aßen wir über den Dächern Bucharas zu Abend. Dabei erzählte uns Shavkat über das Leben in Usbekistan, z.B. dass das übliche Heiratsalter der Frauen zwischen 17 und 21 Jahren liegt. Im Hostel traf ich meinen eingezogenen Zimmergenossen Jurabek. Er ist deutschsprachiger Reiseleiter aus Chiwa und erzählte mir ganz offen über sich. Mit seinen 27 Jahren ist er eigentlich Englischlehrer, hat aber zusätzlich am Goethe-Institut Taschkent deutsch gelernt. Als Lehrer verdient er 200 Dollar im Monat, als Reiseleiter 40 Dollar am Tag. Und nun lernte ich ein wenig dazu, was das Familienleben in Usbekistan angeht. Während seiner Zeit in Taschkent war er dort in ein Mädchen verliebt, aber eine Hochzeit scheiterte nicht an den materiellen Bedingungen der Brauteltern, sondern daran, dass die Hochzeit in Taschkent hätte stattfinden sollen. Das ging von seiner Familienseite aber nicht. So wurde nichts aus der Liebesheirat, aber daraufhin fand seine Mutter in Chiwa eine Frau für ihn und wenig später wurde geheiratet. Nun haben sie zwei Kinder und Jurabek meinte, so langsam verlieben sie sich jetzt ineinander. Mir war vor dieser Geschichte nicht klar, dass in Usbekistan die Eltern ihre Kinder verheiraten und die Bedingungen stellen. Da kamen mir wieder die Pärchen auf der dunklen Minaretttreppe in Chiwa in den Sinn, deren Eltern sicher nichts davon wussten. Genauso dachte ich mir, dass manche blutjunge Hochzeitspaare oft weniger fröhlich aussahen als die Hochzeitsgesellschaft drumrum.

Mi. 10.09.2014
Nach dem langen Gespräch bis in die Nacht ging ich spät zum Char Minar, wo ich einen aufgeschlossenen, alleine reisenden Franzosen traf, der noch einen Fotoapparat mit Negativfilm hatte.

Char Minar: Titelbild meines Lonely Planet in der Hand
Char Minar: Titelbild meines Lonely Planet in der Hand

Mit dem Bus fuhr ich zum Sommerpalast des letzten Emirs Alim Khan. Als eine Horde Grundschüler einstieg, wurde sie vom Busfahrer und Begleiter ordentlich zusammengeschrien und zurechtgewiesen. Der Palast war sehr schön anzusehen. Voller Euphorie an diesem lockeren Tag beobachtete ich das Leben in der Stadt: die wie eine Schülerin aussehende junge Mutter in der Marschrutka, die ihren kleinen Sohn liebevoll anschaute, die einzelnen älteren Männer, die sich im Schatten am Straßenrand ausruhten, während die jüngeren miteinander Karten spielten, und die zwei Apothekerinnen, die in ihren weißen Kitteln vor der Apotheke mit einer dritten Frau einen Fußball hin- und herpritschten. Leider wurde diese Euphorie gebremst, weil – Ironie des Schicksals – der Visumsantrag für Myanmar, nicht für China, unvollständig ist. Also ging ich wenig begeistert ins Internet-Cafe, um diese Unterlagen fertigzumachen. Dabei half mir das dort arbeitende Mädchen ganz lieb beim Aufkleben meiner Passbilder. Gut, dass ich für alle Fälle mit meinen Unterlagen und Daten gewappnet war, aber ob ich eine Post von Usbekistan nach Deutschland in nur einer Woche bekommen kann und wieviel das dann kosten wird, wusste ich noch nicht. Das war die Aufgabe für den nächsten Tag und ich trank auf den Frust sechs Bier, wobei das Bier im Pub nur 80 Cent kostete. Zuerst saß ich dort mit Jurabek zusammen und er erzählte mir mehr über sein Leben als Reiseleiter. Am Tresen arbeitete Rahim, der mich kurz an der für die einheimischen Gäste vorbereiteten Wasserpfeife ziehen ließ, Geschmack: Rose, sehr lecker. Der Israeli Yair erzählte abenteuerliche und teils wenig erfreuliche Geschichten über seinen sechsmonatigen Arbeits-Aufenthalt in Tadschikistan. Zum Schluss machten wir ein gemeinsames Foto.

Mit Barkeeper Rahim, Marei, Yair und Nico im "The Pub", dem einzigen Pub Bucharas
Mit Barkeeper Rahim, Marei, Yair und Nico im „The Pub“, dem einzigen Pub Bucharas

Do. 11.09.2014
Mit dem Wörterbuch in der Hand und dem Bemühen russisch zu sprechen wurde mir bei der Post sehr geholfen und ich konnte die Unterlagen für ca. 40 Euro per DHL-Express (5 Tage) nach Deutschland schicken. Auf dem Rückweg ging ich an einem Barbiersalon vorbei, der Barbier schaute fern. Dennoch bemerkte er mich und rief mir auf der Straße hinterher. Ich handelte mit ihm 4 Euro für’s Haare schneiden und Rasieren aus. Er machte eine gute Arbeit, renkte sogar meinen Kopf in beide Richtungen ein und ich war so glatt rasiert wie noch nie.

Nach dem Barbier-Besuch
Nach dem Barbier-Besuch

Erst auf Nachfrage im Hotel fand ich das Bozori Cord Hammam (Franks Geheimtipp) bei der zweiten Kuppel und ließ mich dort nach einem Dampfbad massieren und waschen. Der junge Herr dort verbog mich ordentlich und kurz stand er auch auf meinem Rücken, danach ruhte ich mich auf heißen Steinen aus. Am Ende war ich porentief rein und bekam vor dem Abschied noch einen Tee.

Bilderwand: So sieht ein Hammam-Besuch aus
Bilderwand: So sieht ein Hammam-Besuch aus

Nun nutzte ich die verbleibende Zeit, um die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu fotografieren: die drei Kuppeln, Abdul-Aziz-Khan-Medrese, Kalon-Moschee und -Minarett, Ark und Ismail-Samani-Mausoleum.

Neben den Mauern des Ark, im Hintergrund die Kalon-Moschee und die Mir-i-Arab-Medrese
Neben den Mauern des Ark, im Hintergrund die Kalon-Moschee und die Mir-i-Arab-Medrese
Becken am Lyabi Hauz
Pool am Lyabi Hauz

Zurück am Lyabi Hauz, dem Platz um den Pool, traf ich zu unserer Freude Shavkat und wir unterhielten uns von der Dämmerung bis in die Nacht über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer Kulturen, z.B. über den Stellenwert der Religion und den Respekt vor dem Alter. Zudem gab er mir noch Tipps zu den Bergen um Taschkent und wir planten, uns mit Marei und Nico in Samarkand nochmal zu treffen. Der erfolgreiche Tag endete früh, weil am nächsten Tag die frühe Zugfahrt nach Samarkand anstand, aber in einem angenehmen klimatisierten Zug durch eine abwechslungsreiche Landschaft von grün bis Wüste.

Chiwa

Sa. 06.09.2014
Nach den netten Begegnungen im Taschkenter Hostel hatte ich wieder mehr Mumm und fragte die hübsche Frau um die 40 (Tatjana) im Flugzeug neben mir, ob sie denn wisse, wie’s am Flughafen weitergeht, wenn man nach Chiwa möchte. Sie und ihr Mann Maksim sind aus Moskau und wir taten uns zusammen, um zu dritt ein Taxi nach Chiwa zu bekommen. Auch hier waren die Taxfahrer sehr gerissen, aber Maksim tat sein Bestes, um einen akzeptablen Preis für die Fahrt zu bekommen. Es wurden Worte gewechselt wie z.B. „Ich habe drei Kinder und das Fleisch ist so teuer.“ – „Das ist hier doch eine Taxifahrer-Mafia!“ – „In Russland ist die Mafia!“ In Chiwa ging ich durchs Westtor in die rechteckig ummauerte Altstadt und war überwältigt von den Eindrücken: diese imposante Stadtmauer, die bunten Bauten, das pulsierende Leben, ein Kamel stand da und etwas weiter war eine Hochzeitsgesellschaft, die freudig für und um das Brautpaar zu den heimischen Rhythmen tanzte.

Hochzeitsgesellschaft: Die Braut kann man am Schleier erahnen
Hochzeitsgesellschaft: Die Braut in der Mitte kann man am Schleier erahnen

Im Hotel Xiva Atabek wurde ich schon draußen von einer Tochter der fünf Kinder des Hauses auf englisch empfangen. Bei Abendlicht ging ich durch die Innenstadt, wo die Kinder noch gemeinsam auf der Straße spielten wie ich vor 25 Jahren. Acht Jungs spielten Fußball, ein Mädchen sprach mich an: „Hello, what’s your name?“

Fußball spielende Jungs
Fußball spielende Jungs

Viele andere Kinder winkten, sagten „Hello“ oder „Salam“. So genau weiß ich nicht, wie gut ich das finden soll, dass wir Touristen, oftmals große Reisegruppen, uns da so arg in das Privatleben der Menschen einmischen. Von touristischer Seite aus ist es sehr angenehm und erfrischend, wie freundlich man behandelt wird. Vor dem Sonnenuntergang traf ich auf der Stadtmauer das deutsche Paar Marei und Nico. Sie hatten einen Ausflugsplan für den nächsten Tag. Beim gemeinsamen Abendessen unterhielten wir uns über unsere Routen und Reiseerfahrungen. Sie haben schon viel von dem gesehen, was ich noch sehen möchte. In ihrer Unterkunft machten wir den gemeinsamen Ausflug fix und quatschten noch lange im dortigen Innenhof.

So. 07.09.2014
Unser Ausflug ging mit pivatem Fahrer im neuen Auto mit Klimaanlage zu den Kalas, das sind Lehmfestungen der Könige dieser Region Choresmien aus ungefähr dem 4./5. Jahrhundert bzw. das, was heute noch davon übrig ist. Wir fuhren an den Baumwollplantagen vorbei, an denen die Ernte in diesen Tagen begann und Schüler ab der 9. Klasse sowie Studenten ca. 50 kg pro Kopf und Tag gewinnen, was ihnen umgerechnet 13 Euro einbringt, so sagte unser Fahrer. Es fuhr uns ein Eselskarren mit geerntetem Heu entgegen und wir überquerten den Fluss Amudarja, der früher mal den Aralsee speiste und heute in der Wüste vertrocknet. Die von uns nacheinander angefahrenen Lehmruinen Kyzyl-Kala, Toprak-Kala und Ayaz-Kala am Rande der Wüste Kysylkum steigerten sich von der Größe und gemessen an ihrem Alter waren sie sehr beeindruckend.

Nico, Marei und ich vor dem Ayaz-Kala
Nico, Marei und ich vor Kyzyl-Kala
Vor der Ayaz-Kala
Vor Ayaz-Kala

Im Hotel traf ich Roland aus Kaufbeuren, der in seinem Sabbatjahr mit dem Motorrad unterwegs ist. Durch Zufall habe ich die Horns bei Skype erwischt und freute mich, alle vier zu sehen. Bei Dunkelheit gingen Marei, Nico, Roland und ich abschließend in der Altstadt zum Essen.

Mit Nico, Marei und Roland beim Essen
Mit Nico, Marei und Roland beim Essen

Mo. 08.09.2014
Mit Roland verbrachte ich den ganzen nächsten Tag in Chiwa. Basar: Dort wollte Roland seine turkmenische Währung umtauschen. Einer verschwand mit dem Geldschein beträchtlichen Werts und kam zuverlässig mit einem Preisangebot zurück, das Roland ausschlug. Juma-(Freitags-)Moschee: Beeindruckende Halle mit über 200 individuell gestalteten Holzsäulen, deren älteste aus dem 10./11. Jahrhundert stammen.

Freitags-Moschee
Juma-Moschee

Der Weg auf der engen Steinwendeltreppe mit hohen Stufen zum Juma-Minarett (schöne Aussicht über die Altstadt) war stellenweise sehr dunkel.

Blick vom Juma-Minarett Richtung Westen
Blick vom Juma-Minarett Richtung Westen

In den dunkelsten Ecken drückten sich junge usbekische Pärchen rum, an denen man vorbeikraxeln musste. Zum Thema Paare, Hochzeit und Ehe in Usbekistan sollte ich später noch mehr erfahren. Festung Kuhna Ark: Wie überall wurde auch dort unser Gesamtticket kontrolliert, auf dem unsere Nationalität stand. So landet die Information sofort bei der geschäftstüchtigen Souvenir-Verkäuferin, die dann in der passenden Sprache ihren Schmuck für einen Wucherpreis anbietet. Viele Touristen gehen darauf ein und bezahlen zu viel, so dass zu befürchten ist, dass hier bald Verhältnisse wie in den Touristenhochburgen der Türkei oder Thailands herrschen werden. Tosh-Hovli-Palast: Innenhof, farbig (vor allem blau) glasierte Tonwände, alte Holzdecken. Dort saßen drei junge Frauen und ich schaute von Roland ab, dass man da schon mal unauffällig ein Bild machen kann.

Usbekische Ladies
Usbekische Ladies

Zwischen 4 und halb 6 setzten wir uns auf eine Mauer und tranken zwei Bier, um danach bei schönem Licht Fotos von der westlichen Stadtmauer, einem Seidenstraßen-Plakat und von der Statue von Al Choresmi, dessen Errungenschaften ich in der Schule lehren darf, zu machen.

Einige dieser Seidenstraßen-Städte werde ich noch bereisen
Einige dieser Seidenstraßen-Städte werde ich noch bereisen
Vor der Statue von Al Choresmi
Vor der Statue von Al Choresmi

Zum Abendessen gingen wir wie zwei Tage zuvor ins Dilnura Cafe außerhalb der Stadtmauer und für mich gab’s Qovurma Lagmon, das sind rote, mit Gewürzen versehene Nudeln mit Fleisch, Soße und Schmand.

Di. 09.09.2014
Nun war die 460-km-Fahrt im gemeinsamen Taxi durch die Wüste Kysylkum an der Reihe. Zuerst fuhren wir an Sonnenblumen- und Baumwollfeldern vorbei, bevor dann die Wüste kam. Dank deutschen Straßenbaus (Papenburg) ist der Weg nach Buchara zur Hälfte bereits vierspurig geteert und bei der zweiten Hälfte verstand ich, was Frank mit einer außerordentlich nervigen Fahrt meinte.

Hier ist die Wüstenstraße noch vierspurig
Hier ist die Wüstenstraße noch vierspurig

Zur Blütezeit der Seidenstraße muss dieser Weg extrem beschwerlich und gefährlich für die Karawanen gewesen sein. Entsprechend groß war auch meine Freude, die nächste Stadt in einer fruchtbaren Gegend erreicht zu haben: Buchara.

Taschkent (1)

Do. 04.09.2014
In Taschkent gelandet merkte ich schnell, dass hier in Usbekistan das Leben doch etwas anders läuft. Bei der Passkontrolle war ein ordentliches Gedränge, so dass ich, während ich noch versuchte ein paar Lücken auf dem rein russischen Zoll-Deklarations-Formular zu schließen, von der Mitte des Pulks fast ganz ans Ende geriet. Das lange Anstehen bei der Passkontrolle war aber nur die erste Hürde, jetzt wurde nochmal das ganze Gepäck durchleuchtet und die den usbekischen Behörden hochwichtige Zollerklärung aufs Genaueste überprüft. Das dauerte ewig und als ich dann dran war, wollte der Uniformierte mir zunächst nicht helfen, und ich verstand auch sein englisch „in words“ nicht. Eine Touristin half mir und ich verstand, dass ich die Geldangaben meiner drei Währungen auch in Worten angeben musste. Zum Glück fiel mir ein, dass ich dieses Formular ein zweites Mal für mich selbst ausfüllen musste, also durfte ich zur Übung die Zahlen einmal selbst auf russisch ausschreiben, worauf ich dann doch etwas stolz war. Aber man hätte diese wohl auch auf englisch angeben können. Den Rest meines lückenhaften Formulars füllte der Uniformierte dann für mich aus, aber besonders begeistert schaute er dabei nicht. Für mich war diese ganze Mühle ein sinnloses Gängeln von Touristen und ich ärgerte mich. Jetzt wollte ich usbekische Sum abheben, der Geldautomat bot nur Dollars an und die hatte ich ja in Mengen dabei. Also suchte ich eine Wechselstube, was nicht so einfach war. Manche Uniformierte halfen mir weiter, der freundlichste fasste mich an, als er mit mir redete, was hier wohl üblich ist. An der Wechselstube bekam ich für 100 Dollar 238900 Sum in 1000-Sum-Scheinen, insgesamt 241 Geldscheine und ich musste wirklich lachen. Der 1000-Sum-Schein ist ca. 30 Euro-Cent wert und war bis letztes Jahr, als der 5000-Sum-Schein eingeführt wurde, der größte Geldschein. Vom 5000-Sum-Schein wussten zu diesem Zeitpunkt weder mein aktueller Lonely Planet noch ich etwas. Mit Landeswährung in der Tasche wollte ich nun den öffentlichen Bus in die Altstadt nehmen, auch wenn die Sonne eben untergegangen war. Beim Ausgang wurde ich regelrecht von Taxifahrern angefallen. Das Gespräch mit einem verlief etwa so: „Taxi?“ – „Nein.“ – „5 Dollar.“ – „Nein, ich nehme den Bus.“ – „Es fahren keine Busse mehr, gehen wir!“ Ich ließ mich überreden und stieg ein. Der Taxifahrer war sehr freundlich und wir unterhielten uns etwas, aber er sagte mir sehr früh, dass ich auf dem Schwarzmarkt 2600 Sum für einen Dollar bekommen kann. Im Lonely Planet steht bis zu 30% mehr, nur wusste ich nicht, ob der Geldwechsel auf dem Schwarzmarkt nicht gewisse Gefahren in sich birgt. Jedenfalls zeigte mir der Taxifahrer ein wenig die Stadt, fuhr also womöglich etwas Umweg um Zeit und mein Vertrauen zu gewinnen. Wir machten uns mit dem Namen bekannt und auch er fasste mich einmal im Gespräch an. Beim Chorsu-Basar hielt er an und sagte, hier könne ich Geld wechseln. Das war mir bei Dunkelheit etwas heikel, aber er öffnete sein Handschuhfach und mir dämmerte, dass er selbst zu seinem vorgeschlagenen Kurs von 2600 Sum wechseln wollte. Aber ich lehnte ab und wir fuhren weiter, mit schlechterer Stimmung als zuvor. Das war für mich nicht einfach auszuhalten und vor dem Gulnara Guesthouse sprachen wir nochmal über den Geldwechsel. Ich zeigte ihm die im Lonely Planet veraltete Information von 2800 Sum und wechselte am Ende 200 Dollar zum Kurs von 2650 Sum. Sicher ein besseres Geschäft als beim offiziellen Wechsel, aber ein deutlich schlechteres als beim Schwarzmarkt. Ob das jetzt gut für mich war, wusste ich nicht, aber ich war definitiv überfordert mit nun 768900 Sum in 771 Geldscheinen.

Über eine dreiviertel Million
Über eine dreiviertel Million

Nach vielen Tagen ohne größere Kontakte war das Gulnara Guesthouse mit seinem Innenhof und englisch sprechenden und Bier trinkenden Reisenden eine regelrechte Oase. Im 6-Bett-„Wohn-„Zimmer traf ich Onier und Ique aus Bilbao, die nach drei Wochen Urlaub ihren letzten Abend in Usbekistan hatten. Sie konnten mir ein bisschen von ihren Erfahrungen im Land erzählen und Tipps geben. So ging ich noch Schaschlik essen und kaufte eine 1,25-Liter-Plastikbierflasche „Bräufest“. Im Innenhof unterhielt ich mich sehr angenehm mit James aus London, bis unsere Biervorräte alle waren. James und Stu sind sieben Monate mit dem Auto unterwegs und auch sehr interessiert an den verschiedenen Kulturen. Alles in allem war das sicher nicht mein bester Tag, weil vieles nicht glatt lief und ich mich auch etwas ungeschickt und blauäugig angestellt hatte, aber das muss man sich selbst dann verzeihen. Immerhin war ich ohne große Probleme mit den Behörden gut im Gulnara Guesthouse angekommen.

Fr. 05.09.2014
An meinem einzigen ganzen Tag in der 2,2-Millionen-Einwohner-Stadt Taschkent schaute ich mir so viel wie möglich an: In der Altstadt schlenderte ich über den Chorsu-Basar und kaufte Trauben ohne zu verhandeln und bezahlte dafür den deutschen Preis. Die Verkäuferin schaute mich nicht mehr an, als sie das Geld entgegennahm, weil sie sich womöglich schämte, mich so gnadenlos abgezockt zu haben.

Chorsu Basar
Chorsu Basar

Das religiöse Zentrum Usbekistans ist Khast Imom, der schönste Ort der Stadt, finde ich.

Auf dem Khast-Imom-Platz
Auf dem Khast-Imom-Platz

Dort ist ein Büchereimuseum, in dem der älteste Koran aus dem 7. Jahrhundert zu sehen ist, wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich den für mein Eintrittsgeld zu sehen bekommen habe. Über die Auferstehungs-Kathedrale ging’s per U-Bahn in die Neustadt. Bei vier U-Bahn-Fahrten musste ich immer meinen Rucksack öffnen und dreimal meinen Pass zeigen, wobei es manchmal auch ein kurzes nettes Gespräch gab. Im U-Bahn-Schacht wurde ich angepfiffen und musste meine zwei dort gemachten Fotos vom schönen Motiv an der Wand und der Kuppel wieder löschen. In der Neustadt waren die Timur-Statue, (der nach den Mongolen Ende des 14. Jahrhunderts hier seine Schreckensherrschaft aufbaute, aber auch 35 Ländereien vereinte und vom Staatspräsidenten Islam Karimow zum Nationalhelden hochstilisiert wird,) die zugehörige Promenade und das Kriegsdenkmal der weinenden Mutter zu bemerken. Am Ende des Tages ging ich noch in den Navoi-Park, wo nahe des Hochzeitspalastes Fotos von einem Mann mit fünf hübschen Bräuten geschossen wurden.

5 Bräute
5 Bräute

Zurück am Chorsu-Basar holte ich mir einen Rinder-Yufka und konnte mich bei Dunkelheit nicht mehr so gut orientieren. Hier wurde ich immer wieder angesprochen, ob ich Dollar oder Euro zum Wechseln habe. Drei jugendliche Erwachsene zeigten mir den Weg und einer davon beglückwünschte mich per Handschlag zum Fußball-WM-Titel. Entlang der Beruni-Straße, in der ganz viele Lokalitäten waren, in denen Hochzeiten stattfanden, holte ich Bier, als hätte ich’s gewusst, dass es noch etwas zu feiern gibt: Meine Unterlagen aus Moskau sind in Kißlegg angekommen und der Weg zum chinesischen Visum ist geebnet. Im Hostel traf ich Kristiina aus Estland, die sich heute sehr über die unverschämten Preisangebote der Taxifahrer auf dem Weg von Osten nach Taschkent aufgeregt hat. Im Innenhof traf ich Volker und Katja aus Deutschland, Volker reist 11 Monate und seine Freundin macht nach Istanbul ihren zweiten Urlaub, um ihn zu treffen. Später kamen James und Stu dazu, aber am Ende blieben wieder James und ich, die die Biervorräte vernichteten. Dabei schrieb mir James sehr nette Worte in mein Büchlein.

James schreibt in mein Büchlein
James schreibt in mein Büchlein

Sa. 06.09.2014
Nun war der Inlandsflug nach Urgench an der Reihe. Nach dem Frühstück konnte ich mich von all den lieb gewonnenen Reisenden verabschieden und nahm den Bus zum Flughafen. Dort war eine ältere Dame mit Krücken als Gehhilfe und drei süßen Kindern. Ich durfte die drei fotografieren und unterhielt mich mit der Dame, die vor allem wissen wollte, woher ich komme und wo ich auf meinen Reisen nachts unterkomme.

Taschkenter Kinder
Taschkenter Kinder

Bei der lockeren Passkontrolle am Flughafen wurde ich ebenfalls auf den WM-Titel angesprochen, ein schöner Abschied aus Taschkent.